Was ist die Neue Rechte?

erschien WiSe 2009/10

An Hochschulen begegnet mensch eher selten den ‚typischen‘ Prügelnazis aus der Kameradschaftsszene oder dem NPD-Umfeld, obwohl es auch da Ausnahmen gibt(z.B. am Institut für Stadt- und Regionalplanung). Stattdessen sind es an Hochschulen eher VertreterInnen der Neuen Rechten (NR), da sich die NR selbst als intellektuelle Speerspitze der Rechtskonservativen sieht. Vertreter der NR halten sich mit öffentlichen Aussagen eher zurück und sind meist nur durch zufällige Äußerungen in kleinen Kreisen zu erkennen. Wenn also einer euer Profs oder Dozenten oder gar Kommilitonen fragwürdige Ansichten insbesondere zur deutschen Geschichte von sich gibt, könnte es sich durchaus um einen Vertreter dieser Gattung handeln. Daher jetzt einige Hintergründe zur NR.

Die Ideologie der Neuen Rechten besteht in erster Linie aus zwei Operationsfeldern. Zum einen die oben erwähnte fragwürdige Haltung zur Geschichte einfach gesagt einem intellektuellen Geschichtsrevisionismus. In Anlehnung an den Historiker Ernst Nolte, der erstmals davon sprach die Vergangenheit einer ständigen Revision zu unterziehen, argumentieren auch die Neurechten, um im Nachhinein z.B. die Kriegsschuld Nazideutschlands oder die Singularität des Holocaust kleinzureden, anzuzweifeln und zu leugnen. Die Vordenker der NR verlangen eine nationale Identität mit einem positiven Bezug zur Geschichte, ein wie sie es nennen von allen Seiten
propagierter „Schuldkult“ ist dabei im Weg.
Der zweite wichtige Punkt ihrer Ideologie ist ihr sogenannter Ethnopluralismus. Die NR will in erster Linie auf den Unterschied zwischen den einzelnen Völkern oder Ethnien hinweisen um darauf dann eine Unvereinbarkeit zwischen ihnen zu konstruieren. Das Ziel dabei ist relativ
klar, die Schaffung jeweils ethnisch homogener Staaten. Die fremden Ethnien sollen zwar angeblich respektiert werden, aber stattdessen werden sie dabei gezielt ausgegrenzt. Hinter ihrem Ethnopluralismus verbirgt sich also nur plumper Rassismus, schwach bemäntelt von intellektueller
Phrasendrescherei.
Diese Überlegungen gehen oft einher mit der Ablehnung von Liberalismus und Parlamentarismus und der Bejahung von einem autoritären und elitären Staat. Eine weitere wichtige Tatsache ist die Ablehnung des Nationalsozialismus von Teilen der NR einerseits und die weit verbreitete
Leugnung des Holocaust andererseits, einhergehend mit einem weit verbreiteten Antisemitismus in der gesamten NR.

Da die NR keiner bestimmten Partei zuzuordenen ist und sie auch keine Massenbewegung beinhaltet, muss die NR andere Möglichkeiten der Weiterverbreitung ihrer Ideen wahrnehmen. Diese besteht für die NR in der Schaffung der Diskurshoheit in öffnentlichen Debatten und durch
schleichendes Aufweichen konservativer Standpunkte um mit den eigenen rechten Positionen weiter in die Mitte der Gesellschaft vorzudringen und rechte und rechtsextreme Positionen wieder salonfähig zu machen. Dabei bedient sich die NR so seriös anmutender Vereine, wie dem Berliner
Institut für Staatspolitik, oder dem Studienzentrum Weikersheim und weniger seriösen Publikationen wie der ‚Jungen Freiheit‘ oder ‚Nation und Europa‘.

Die NR verfügt also zum einen über eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Konservatismus und der extremen Rechten und zum anderen gibt es auch starke inhaltliche und persönliche Überschneidungen zu anderen rechten Vereinigungen, wie Burschenschaften und Vertriebenenverbänden. Die Einordnung der NR durch PolitologInnen schwankt dabei zwischen ziemlich konservativ bis offen neofaschistisch. Die NR ist also keineswegs nur ein konservatives Kaffeekränzchen, in ihr befinden sich die geistigen Brandstifter die für die Verbreitung rechtsextremer Theorien, weit über ihr eigenes Spektrum hinaus, verantwortlich sind.





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