Rechtspopulismus in Charlottenburg-Wilmersdorf

Kreisverbandsgründung von “Pro Berlin” und auch “Die Freiheit” ist nicht untätig

Am 26.02 hat sich in Charlottenburg-Wilmersdorf ein Kreisverband der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung Pro Berlin“ gegründet. Damit haben jetzt sowohl die rechte Partei „Die Freiheit“ als auch „Pro Berlin“ einen Kreisverband im Bezirk und wollen sowohl in die Bezirksverordnetenversammlung als auch in das Berliner Abgeordnetenhaus einziehen.

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Infoportal Charlottenburg-Wilmersdorf
Bündnis gegen Rechts Charlottenburg-Wilmersdorf


Kreisvorsitzender von „Pro Berlin“ ist der 1952 geborene Bildhauer und Künstler Günter Czichon,welcher für die Wahlkreise Deutsche Oper, Ernst-Reuter-Platz und Kurfürstendamm antritt. Seine Beisitzer sind Werner Rönnfeldt (Jahrgang 1942, Technischer Angestellter), welcher für die Wahlkreise Olympiastadion, Westend und Schloß Charlottenburg kandidiert und
der Hobbykriminologe Frank Wieczorek (Jahrgang 1959, kaufmännischer Angestellter), der außerdem in der Landesgeschäftsstelle von „Pro Berlin“ in Marzahn aushilft. Laut Telefonbuch.de wohnt dieser in 10717 Berlin, was sich auch mit seinem Wahlkreisen Ludwigkirchplatz, Prager Platz, Bundesplatz und Volkspark deckt.

Die Kandidaten für die Wahlkreise in Charlottenburg-Wilmersdorf sind – bis auf eine Ausnahme – keine bekannten Personen. In den Wahlkreisen Charlottenburg-Nord, Rathaus und Mierendorfplatz kandidiert der 1944 geborene ehemalige Rechtsanwalt Friedrich Lautemann für die Partei. Der in der Heinrich-Schlusnus-Straße in Neukölln wohnende Rentner, der sich in seiner Freizeit als Buchautor, Blogger und Journalist versucht, war lange Zeit SPD-Mitglied und auf seinem Blog berichtet er, „sein größter Wunsch ist der, eine Frau zu finden, mit der er zusammen lieben und zusammen beten kann.“ Auch sonst gibt er sich ziemlich religiös.

Des Weiteren kandidieren der 1963 geborene Kaufmann Marc-Dieter Steinberg für die Wahlkreise Grunewaldsee, Halensee, Preußenpark und Hohenzollerndamm und für die Wahlkreise Krematorium Wilmersdorf, Rüdesheimerplatz und Eisstadion Wilmersdorf tritt der 1966 geborene René Ehrke an.

Unter den Kandidaten des Kreisverbandes Charlottenburg-Wilmersdorf ist auch der aktuelle Landesvorsitzende der Berliner „Republikaner“ Reinhard Haese. Der 1948 geborene und in der John-Locke-Straße in Lichtenrade wohnende Haese kandidiert für die Wahlkreise Schloßstraße, Lietzensee und Adenauerplatz. Die „Republikaner“ und „Pro Berlin“ wollen gemeinsam für „Pro Berlin“ antreten und so Einzüge in die Bezirksverordnetenversammlungen und das Abgeordnetenhaus erreichen.
Haese, der 2009 noch für die Republikaner einen Wahlkampfstand in Wilmersdorf betreute, ist seit dem bei mehreren Kundgebungen und Demonstrationen von „Pro Berlin“ in Erscheinung getreten. So betreute er am 3.Oktober 2010 die Technik für eine Sarrazin Solidaritäts-Kundgebung von „Pro Berlin“ und am 28. November 2010 nahm er an einer Demonstration von „Pro Berlin“ „Gegen die Islamisierung Europas“ am Brandenburger Tor teil. Haese besuchte außerdem die „Preußen für Berlin“-Kundgebung von „Pro Berlin“ am 25.02.2011

Wirklich aktiv ist „Pro Berlin“ seit der Anti-Moschee-Kampagne 2007 nicht mehr im Bezirk. Ein paar Postkarten gegen den EU-Betritt der Türkei (Februar 2011) und eine Kundgebung zugunsten Sarrazins (03.10.2010) sind alles an Aktivitäten, die von „Pro Berlin“ in Charlottenburg-Wilmersdorf ausgingen.

Auch „Die Freiheit“ ist nicht untätig. Nach mehren Problemen durch antifaschistische Intervention kurzfristig abgesagte Treffen und einigen Lecks im privaten Verteiler, probiert die Partei nun ungestört ihre Bezirksgruppe zu organisieren. Zwischenzeitlich fand auch der zuvor noch verhinderte Landesparteitag der „Freiheit“ in Wilmersdorf statt. Bei ihrem nächsten Treffen am 2. März will die Bezirksgruppe der Partei ihr fünftes Mitgliedertreffen in Charlottenburg-Wilmersdorf veranstalten. Die Bezirksgruppe wird von Eiko Behrens geleitet. Behrens ist Professor für Architektur an der ETH Zürich und sitzt im Verwaltungsrad der schweizer „Areos AG“.

In wieweit die beiden Parteien im Bezirk erfolgreich seien können wird sich zeigen. Wir räumen beiden nicht große Chancen bei der Wahl im September ein, werden ihre Aktivitäten aber weiterhin beobachten und bei öffentlichen Aktionen intervenieren. Mit Hans-Ulrich Pieper hat auch die NPD einen Kandidaten in ihren Reihen, der das gleiche Klientel anspricht wie „Die Freiheit“ und „Pro Berlin“.





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